Exegese-Plattform (intern) 


0. Recherchebeginn

Wichtig: Melden Sie sich bei Nationallizenzen an.

Nutzen Sie als Suchmaschine für Bibelstellen auch den Index Theologicus

Allgemeine Open-Access Archive sind: JSTORZORA (Link Fachseite Theologie); Google-ScholarCoreOapenInternet ArchiveAcademia.edu sowie Researchgate

Forschungsliteratur

1. Über Nationallizenzen (Tipp: Bibelstellensuche im Index Theologicus): Biblische Zeitschrift (AT+NT)Horizons in Biblical Theology (AT + NT)Journal of Ancient Judaism (AT + NT)Novum Testamentum (NT)Review of Rabbinic Judaism (NT)Textus (AT Textkritik)Vetus Tesamentum (AT)Theological Review (AT+NT)New Testament Studies (NT)Journal of the Bible and Its Reception (AT+NT)Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft (AT)Zeitschrift für die Neutestamentliche Wissenschaft (NT) Journal of Theological Studies (AT+NT)

2. Über PH-Netzwerk (Installation von Sophos erforderlich): EBSCO-Host (Suche "BIBLE. englischer Name Ihres Bibelbuches"), Journal of Biblical Literature

3. Open Access: Lectio difficilor (Open Access)Bibelentdeckungen"Biblische und orientalische Welt" (Open Access)

4. wissenschaftiche Kommentare / Sekundärliteratur (AT + NT)

Vorgehen: Suchen Sie in allen angeführten Archiven VERLAGSSEITEN mittels der deutschen und englischen Schreibung nach "Ihrem" biblischen Buch / Kapitel. Benchmmark sind mindestens 10 wissenschaftliche Artikel.

VERWEIS AUF SUCHMASKEN


1. Diskursanalyse - Wie wird der Text aktuell dargestellt?

Eigene Recherche: Popkulturelle Darstellungen / Andachten, Kunst, ggf. Presse

Predigten: Predigtarchiv (gerne auch Predigten/Andachten aus anderen Traditionen)

Kinderbibeln (etwa über TheoTUT) 

Vorgehen: Hinter der Darstellung (Repräsentation) biblischer Texte oder anderer Zeugnisse der Vergangenheit stehen häufig handfeste Interessen: Macht, Einfluss, Geld. Auch gegenwärtig projezieren Menschen ihre eigenen Vorstellungen in die Vergangenheit hinein. Fragen Sie sich, wo in gegenwärtigen Repräsentationen (Bilder, Zeitungsartikel, Predigten, Filme etc.) Details aus "Ihrem" Bibeltext weggelassen oder umgeändert werden und stellen Sie die Frage nach dem "Warum?". 

GS-Studierende: Schauen Sie zusätzlich danach, ob und wie Ihr Text in Kinderbibeln dargestellt wird (ein großer Fundus befindet sich im Theo-Tutoriat resp. im RPI Schwäbisch Gmünd).

Sek-Studierende: Legen Sie besonderen Wert auf die Suche nach Darstellungen Ihres Textes auf Social-Media-Plattformen und fragen Sie danach, welchen Effekt die Darstellungen auf junge Menschen haben (Autoritarismus-Prophylaxe).

 


2. Rezeptionsgeschichte - Wie wurde der Text ausgelegt?

AT: Altkirchliche Kommentare / Online-Suchmaschine altkirchliche Kommentare; rabbinische Auslegungen ("Commentary" und "Midrash" über Sefaria)

NT: Altkirchliche Kommentare / Online-Suchmaschine altkirchliche Kommentare; Kommentare auf Basis der jüdischen Tradition

Hintergrundartikel zum Wert jüdischer Auslegungen für ChristInnen

Vorgehen: Für von der Bibel geprägte Gemeinschaften (jüdisch wie christlich) sind die Kirchenväter resp. Rabbiner des 1. Jahrtausends nach der Zeitenwende eine wichtige Größe.

  • Schauen Sie bei AT-Texten nach, was im altkirchlichen und rabbinischen Diskurs zu "Ihrer" Stelle gedacht wurde.
  • Bei NT-Texten schauen Sie bitte ebenfalls die altkirchlichen Kommentare nach. Es gibt selbstredend keinen rabbinischen NT-Kommentar aus dem 1. Jahrtausend. Doch gibt es Kommentare, die Motive "Ihres" Textes mit den jüdischen Quellen ins Gespräch bringen (Strack/Billerbeck) sowie eine jüdische neutestamentliche Forschung.

Führen Sie die relevantesten Positionen auf. Denken Sie wieder diskursanalytisch. Wurde etwas weggelassen/hinzugefügt/umgedeutet? Warum, könnte Theologe XY so gedacht haben?


3. Manuskriptgedecke und nicht-manuskriptgedeckte Kritik - methodische Sicherung des Textes

Für einen ersten Überblick: Wissenschaftliches Bibellexikon; A Literary Guide to the Bible (hieraus bitte den Artikel zu "Ihrem" biblischen Buch lesen)

Antike Übersetzungen AT: Septuaginta, aramäische Targumim ("Übersetzungen"; über Sefaria), Peschitta, Vulgata

Antike Übersetzungen NT: Peschitta, Vulgata

Moderne Übersetzungen (Beispiele): Bibelserver, Bibel in gerechter Sprache (mit Kommentar-Funktion), Buber-Rosenzweig (jüdische Übersetzung AT), BasisBibel

Vorgehen:

  1. Schauen Sie, in welchem biblischen Kontext (Buch, Kapitel) ihr Text steht (bibelkundliche Erschließung). Nutzen Sie hierfür auch den "Literary Guide to the Bible". Sie können bereits hier auch auf andere biblische Texte verweisen.
  2. Vergleichen Sie zunächst die antiken Übersetzungen "Ihrer" Stelle miteinander. Gibt es Auffälligkeiten (etwa Unterschiede)? Ziehen Sie zum Vergleich zusätzlich moderne deutsche Übersetzungen heran. Wichtig ist hierbei, auf eine Pluralität der Traditionen zu achten. Beispielsweise können Sie die eher katholische Einheitsübersetzung, die emanzipatorische Bibel in gerechter Sprache, die pietistisch geprägte Schlachter-Bibel oder die reformjüdischen Buber-Rosenzweig-Übersetzung zum Vergleich heranziehen. Auch ein Vergleich mit anderssprachlichen Übersetzung ist hilfreich.

Konkordanzarbeit: Online-Interlinearbibel mit hebr./gr. Konkordanz; Online-Studienbibel mit Sprachschlüssel; für die Bezüge der NT-Texte zum griechischen AT (Septuaginta-Text): The Bible Tool; BLUE LETTER BIBLE;

Theologische Wörterbücher

Vorgehen: Durch den Übersetzungsvergleich treten häufig spannende Stellen innerhalb "Ihres" Bibeltextes zutage. Schauen Sie mithilfe der Online-Interlinearbibel bei zwei bis drei Begriffen Ihrer Wahl nach, welche hebräischen/griechischen Begriffe dahinter stehen und schlagen Sie sie (auch mithilfe der Sprachschlüssel-Bibel) nach. Wie könnte man den Begriff an anderen Stellen verstehen? Welches Bedeutungsspektrum hat er? Was bedeutet dieses Bedeutungsspektrum für "Ihre" Stelle. Es lohnt sich, auch ein Blick in die durchsuchbaren theologischen Wörterbücher.

Evangelien-Synopse (auch online verfügbar)

Vorgehen: In der Bibel wird einiges mehrmals überliefert. Samuel-Könige und die Chroniken sowie die Evangelien bieten häufig Varianten derselben Erzählungen. Legen Sie diese "gleich-schauend" (synoptisch) nebeneinander und suchen Sie nach Gemeinsamkeiten oder Unterschieden. Was sagt dies über das Profil "Ihres" Textes aus?

Wenn Sie einen nicht synoptisch vergleichbaren Text haben, schauen Sie, ob Sie eindeutige Zeichen für ein Textwachstum finden können: "Brüche" in der Erzählung / den handelnden Personen / der Zeit / der Grammatik; Dinge, die Varianten innerhalb des Textes darstellen (vormals "Doppelungen" / "Widersprüche"); ist der Text eine Einheit oder nicht?

Nehmen Sie mithilfe der Forschungsliteratur eine für Sie wahrscheinliche Datierung des Textes vor. Wann wurde "Ihr" Text möglicherweise geschrieben. Gibt es Hinweise darauf, dass zwischen "erzählter Zeit" und der Entstehungszeit des Textes zu unterscheiden ist (es wird ein Ereignis geschildert, das erst später verschriftlicht wird)? Ggf. können Sie hier auf andere biblische Texte aus derselben Epoche verweisen.


4. Kulturwissenschaftliche Erschließung - Was hatte der Text vor Augen?

Hintergründe: Civilisations of the Ancient Near East (suchen Sie hier bitte nach 2--3 Stichwörtern aus "Ihrem" Text), Publikationen des Oriental Institute ChicagoThe Ancient World Online

Vorgehen: Suchen Sie in diesen Publikationen und Archiven nach im Laufe Ihrer Exegese wichtig gewordenen Stichworten (etwa "Hirte" / "Tempel" / "Menstruation"). Wie wurde in den Kulturen der Antike diese Thematik verstanden? Was bedeutet dies für das Verständnis "Ihres" Textes? Für die Bibel besonders relevant sind der ägyptische Kulturraum, Mesopotamien und der heutige Iran sowie Griechenland und Rom.  

Bilder: Bibel und Orient Datenbank Online (BODO) (hieraus 2--3 Bilder), "Biblische und orientalische Welt", Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient (IPIAO)

Vorgehen: Sie können mit diesen Archiven/Publikationen zweierlei suchen. Erstens können Sie "Trends" und Moden aus dem Enstehungsjahrhundert "Ihres" Textes (hier sind die in der Forschungsliteratur angegebenen Datierungen Ausgangspunkt) ablesen. Was fanden Menschen aus der Zeit des Textes schön oder interessant? Zweitens können Sie wiederum nach wichtig gewordenen Stichworten suchen (Bsp. "Monsterschlange" / "Altar"). In allen Archiven sind zu den Bildern Erklärungen abgedruckt.

Texte: Thesaurus Linguae Aegyptiae, Cuneiform Digital Library InitiativeKommentare auf Basis der jüdischen Tradition, Frühjüdische Texte (online)

Vorgehen:

AT: Mittelägyptische, demotische, sumerische und akkadische Texte sind Teil des geistigen Horizonts der Bibel. Einige Traditionen (etwa das Totenbuch oder der Atrachaschisch-Epos) werden von biblischen Texten direkt aufgenommen; zumeist helfen die Texte jedoch einfach den Kontext biblischer Motive zu erhellen. Suchen Sie in den Archiven also nach wichtig gewordenen Stichworten oder Texten, die in der Forschungsliteratur erwähnt werden.

NT: Demotische und besonders frühjüdische Texte sind in ntl. Texten ein häufig sehr erhellender Hinterdrund. Suchen Sie im Thesaurus Linguae Aegyptiae im demotischen Archiv nach Stichworten (etwa "Gericht") oder Texten (etwa "Setne"). Suchen Sie im Kommentar von Strack/Billerbeck nach möglichen Querverweisen zu frühjüdischen Texten und schauen Sie diese nach.


5. Bibeldidaktischer Ausblick - Was ist beim Einsetzen des Textes in der Schule zu beachten?

Beispiele: Mediathek des Religionspädagogischen InstitutsUnterrichts-Entwürfe des WiBiLex/WiReLexChinuch - Materialdatenbank jüdischer SchulenJüdisch beziehungsweise christlich -- Material-Pool zu jüdischen und christlichen TraditionenDruckvorlagen biblische Themen (in Anlehnung an Montessori); RPI Schwäbisch Gmünd (hier ist sogar eine persönliche Beratung möglich); Volxbibel (ggf. für Sek1)

Vorgehen: Grundfrage ist, ob und wie "Ihr" Bibeltext oder Themen daraus für Ihre SuS relevant werden könnte. Grundtext dafür ist der Bildungsplan für Ihre Schulform (GS/Sek). Ein guter Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen zur Bibeldidaktik etwa ist, sich ein "worst practice" vorzustellen; sprich, ob Sie ungelungene Formen der Bibeldidaktik kennen. Fragen Sie sich, ob einer oder mehrerer Ihrer Methodenschritte/Ergebnisse auch etwas für den RU wäre. Selbst GrundschülerInnen etwa haben häufig Spaß daran, unter verschiedenen Übersetzungsalternativen eines Wortes auszuwählen oder die kulturellen Hintergründe zu einem Thema sind etwas, das viele SuS lange als Orientierungswissen benennenn können. Wenn Sie mögen, können Sie auch in Materialpools nach möglichen Umsetzungen oder eigene Ideen formulieren. Es geht hier zunächst nur um einen Ausblick; Sie müssen noch keinen Unterrichtsentwurf erstellen.